Unser Verein

... wurde im Juli 1998 zur Erhaltung der 45-jährigen Kammermusiktradition in Dresden-Strehlen gegründet.

Kammerorchester

Cappella Musica Dresden

Andreas Priebst

Andreas Priebst – unser Vorsitzender

Es begann mit Beethoven…
Der Reihe „Meisterwerke-Meisterinterpreten“ zum 60.

Fast vierhundert Konzerte! Natürlich ist das eine der beliebten „Hochrechnungen“. Eine genaue Zahl wird heute wohl niemand mehr mit Bestimmtheit angeben können, aber es ist offensichtlich: da hat sich Einiges „angesammelt“ in diesen sechs Jahrzehnten Geschichte unserer Kammermusikreihe. Eine Geschichte, die nicht nur reich war an Musik, sondern auch an Wandlungen (wie konnte es anders sein?) und an Engagement Musikbegeisterter – treuer Hörer, Organisatoren, Sponsoren und nicht zuletzt der ausführenden Künstler selbst – das sie bis heute trug. Genug Anlass also auch für ein bisschen „Archäologie“, den Blick zurück auf die frühen Zeiten der Reihe. Suche nach den Wurzeln kann ein spannendes Erlebnis sein. Frau Dietzel von unserem Verein hat sich der Mühe dieser Spurensuche unterzogen.

Auf der Suche nach dem „big bang“ unserer Kammermusikreihe müssen wir uns in die – schon so weit entfernt erscheinende – Zeit der 1950er Jahre zurückversetzen. Das erste Konzert (von konzipierten sechs Kammermusikabenden) fand am 30. März 1954 im Festsaal der Kreuzschule statt – vor vollem Hause, wie die Zeitung „Sächsische Neueste Nachrichten“ am 4. April 1954 berichtete. Es spielte das Böttger-Quartett der Dresdner Philharmonie (Rudolf Böttger und Dieter Kießling – Violine, Reinhold Ilchmann – Viola, Ernst Kammel – Violoncello); auf dem Programm: Ludwig van Beethoven (Streichquartett op. 18 Nr. 1), Josef Suk (Meditation über einen Choral), Robert Schumann (Streichquartett op. 41 Nr. 3). In den folgenden Konzerten erklangen darüber hinaus auch Werke von Bach, Mozart, Schubert, Dvorak, Hindemith. Durch die Programme führte Gottfried Schmiedel, allen langjährigen Hörern sicherlich unvergessen. Aber – er war nicht nur eben ein Moderator, sondern wahrhaftig der Anreger, der geistige Vater dieser Reihe. Ohne ihn wäre sie wohl nicht entstanden, wie ihm überhaupt das Dresdner Musikleben dieser Zeit unendlich viel verdankte.

Noch waren die Konzerte – offiziell veranstaltet von der Gewerkschaft Erziehung und Unterricht und dem Haus der Lehrer – in erster Linie als Weiterbildungsveranstaltung für Lehrer gedacht, mit kostenlosem Eintritt für Mitglieder der Gewerkschaftsgruppe. Aber das „Schiff“ hatte „Fahrt aufgenommen“: der Zuspruch muss beachtlich gewesen sein und so legte bereits eine Folgesaison 1954/55, mit acht Konzerten unter dem Namen „Meisterwerke deutscher Kammermusik“ (mit dem Untertitel „musikwissenschaftliche Reihe“), die Basis für eine auf Dauer angelegte Konzertreihe. Unter dem Motto „Von Bach bis Hindemith“ war jedes Konzert dieser Saison einem anderen Komponisten gewidmet. Zu den oben bereits Genannten gesellten sich noch Brahms und Reger. Wieder spielte das Böttger- Quartett (in teilweise veränderter Besetzung), aber die Liste der Aufführenden und ihrer Instrumente war entsprechender gebotenen Stücke insgesamt deutlich länger. Wieder war es natürlich Gottfried Schmiedel, der die Abende moderierte.

Das  Interesse an der Kammermusik in Dresden in dieser Zeit, und speziell an dieser Reihe, war aus heutigem Blickwinkel mit Hörerzahlen von bis zu vierhundert – pro Abend! – bzw. um die 3000 pro Saison (immer noch vorwiegend Lehrer) wahrhaft beeindruckend. Diese gewachsene Popularität geht zweifellos auch auf eine der „Sternstunden“ der Reihe zurück. Es fanden sich für lange Jahre fünf Protagonisten zusammen, die diese Reihe zu ihrem „Lebenswerk“ machten: Gottfried Schmiedel und das legendäre Ulbrich-Quartett der Staatskapelle Dresden. Bis weit in die sechziger Jahre gestalteten sie allein jedes Konzert. Das waren jeweils sechs Konzerte pro Saison, in denen drei Streichquartette pro Konzert erklangen! Gottfried Schmiedel blieb auch danach der Moderator der Konzerte bis zu seinem Ausscheiden (Ende 1983), die „Ulbrichs“ übernahmen bis zu ihrem „Adieu“ Ende 1986 immer noch drei bis vier Konzerte jeder Saison.

Zu den Wandlungen der Reihe gehörte zweifellos die 1959/60 eingeführte Verbindung von Musik und Dichtung in den Vortragsabenden. Damit verbunden war auch ein räumlicher Wandel: die Aula der Martin-Andersen-Nexö-Oberschule, der Kulturbundsaal am Dr.-Külz-Ring und der Gemeindesaal der Reformierten Kirche am Altmarkt waren die neuen Veranstaltungsorte. Neben dem Ulbrich-Quartett und Gottfried Schmiedel traten seinerzeit so prominente und beliebte Schauspieler wie Antonia Dietrich, Traute Richter, Horst Schulze, Klaus Piontek als Botschafter der Literatur auf. Der Erfolg war so groß, dass daraus 1960 die eigene Reihe „Dichterwort – Sprache der Welt“ entstehen konnte – obwohl die Reihe mit dem Motto „Musik und Dichtung“ zumindest bis 1962 parallel dazu weitergeführt wurde!

Das erste Ulbrich-Quartett mit Heinz Werner (2. Violine; Staatskapelle 1948–1955, dann München), Gerhard Woschny (Violoncello; Staatskapelle 1948–1951, dann Berlin), Rudolf Ulbrich (1. Violine), Artur Meyer (Viola, Staatskapelle 1946–1975, im Quartett bis 1956) – v.l.n.r., Aufnahme Anfang 1950er Jahre

Das erste Ulbrich-Quartett mit Heinz Werner (2. Violine; Staatskapelle 1948- 1955, dann München), Gerhard Woschny (Violoncello; Staatskapelle 1948- 1951, dann Berlin), Rudolf Ulbrich (1. Violine), Artur Meyer (Viola, Staatskapelle 1946- 1975, im Quartett bis 1956) – v.l.n.r., Aufnahme Anfang 1950er Jahre

Die für die Zukunft vermutlich folgen-reichste Wandlung datiert auf das Jahr 1963. Gottfried Schmiedel „erlöste“ die Reihe von der Beschränkung auf das Streichquartett. Die Öffnung für schließlich alle kammermusikalischen Besetzungen gab ihr das bis heute gepflegte und geschätzte Profil und wurde dem um 1960 eingeführtem Namen „Meisterwerke der Kammermusik“ noch besser gerecht. In etwa dieser Zeit findet die Reihe ein neues Domizil (auf harten Stühlen für nahezu 40 Jahre!) – den Gemeindesaal der Christus-Kirche in DD-Strehlen. Der nächste Namenswechsel – bis heute das Markenzeichen der Reihe – wird erneut zu einem programmatischen: „Meisterwerke-Meisterinterpreten“. Hatte das Ulbrich-Quartett bis dahin nahezu alle  Kammermusikabende ausschließlich bestritten (eine gigantische Leistung!), so konnte die Reihe jetzt zum Podium für viele der vielen hervorragenden Musiker aus unserer Stadt und inzwischen aus ganz Deutschland und der Welt werden. In jenen frühen Jahren war denn auch die 1. Garde des musikalischen Dresdens Gast der Reihe, darunter Eva Ander, Rudolf  Dunkel, Günter Leib, Peter Schreier … Auch Abende, die einem gänzlich anderem musikalischem Programm gewidmet waren, fanden sich jetzt im Repertoire, so z.B. im Januar 1967 einer mit drei Cembalo-Konzerten J. S. Bachs oder Liederabende, z.B. Peter Schreier mit Beethoven-Liedern im Juni 1968 und Mozart-Liedern in der Saison 1970/71. In den Jahren 1969/70 und 1970/71 verzeichnen die Programmübersichten auch Solo-Abende für Klavier. Eva Ander spielte Beethoven und Siegfried Stöckigt Liszt. Im Jahr darauf waren zwei Abende ausschließlich „Deutscher Musik des 16. Jahrhunderts“ (mit der Capella Fidicinia Leipzig) bzw. „Chormusik aus Vergangenheit und Gegenwart“ gewidmet. Die „Meisterwerke“ betraten den Weg, der zu der programmatischen Vielfalt führt, die sie heute auszeichnet und so lebendig macht.

Auch das Ulbrich-Quartett hatte – wie schon erwähnt – weiterhin Anteil an dem musikalischen Geschehen, inzwischen in etwas veränderter Besetzung. Bis 1961 verzeichnen die Programmzettel neben Rudolf Ulbrich (1. Violine), Wolfgang Bülow (2. Violine) und Joachim Zindler (Viola) Ernst-Ludwig Hammer am Violoncello. Ab 1962 nahm dessen Stelle Clemens Dillner für die folgenden 15 Jahre ein. In der Folgezeit, insbesondere Ende der 1960er und Anfang der 1970er Jahre, widmete sich das Quartett sehr konzentriert den Werken Haydns und Beethovens für diese Besetzung. Noch vorhandene Konzertprogramme weisen z.B. für die Saison 1968/69 drei Abende mit insgesamt vier Haydn- und fünf Beethoven-Streichquartetten aus. 1969/70 und 1970/71 erklangen an jeweils drei Abenden insgesamt neun Beethoven-Streichquartette pro Saison. Damit wurde das gesamte Streichquartett-Werk dieses Komponisten gewürdigt.

Darüber hinaus nahmen die Musiker auch neue Herausforderungen an, u.a. mit der Hinwendung zu zeitgenössischer Musik, z.B. mit der Aufführung von Werken Schostakowitschs und Boris Tschaikowskis (u.a. anlässlich eines „russischen“ Abends 1967) bzw. Jean Français’ (an einem „französischen“ 1971). 1974/75 standen Anton Webern, Paul Hindemith und Udo Zimmermann auf dem Programm. Die Liste der Aufführungen mit denen die Musik der klassischen Moderne und der Gegenwart gewürdigt wurde, war noch länger. Ja, damals zwangen keine GEMA-Gebühren die Veranstalter zur Selbstbeschränkung…

Friedrich Schiller warnt uns „vor der Götter Neide“, der „des Lebens ungetrübte Freude keinem Irdischen zuteil“ werden ließe. Göttlicher Neid war aber wohl kaum die Ursache der trotz dieser beeindruckenden Bilanz an einem gewissen Punkte empfundene Trübung „des Lebens Freude“ der „Meisterwerker“. Kammermusik ist eine Sache, die eine besondere Beziehung zwischen sich und ihrem Publikum, die dessen Anhänglichkeit aus Erkenntnis und Verständnis ihrer besonderen Werte, verlangt. Das steht ihrer Popularität mitunter etwas im Wege und es kann für sie schwer werden, diese Anhänglichkeit eines breiten Publikums immer wieder und für viele Jahre auf sich zu konzentrieren – erst recht, wenn sie sich gegen eine Konkurrenz wie die parallele Veranstaltung „Dichterwort – Sprache der Welt“ mit einem Moderator wie Ottofritz Gaillard behaupten musste. Kurzum – 1977 äußerte sich Gottfried Schmiedel angesichts nachgelassenem Zuspruchs besorgt über die Zukunft der „Meisterwerke“ und in der Dresdner Presse wurden erste SOS-Rufe laut: „Lasst die Meisterwerke am Leben!“. In dieser Situation formierte sich zudem das Ulbrich-Quartett erneut um. An die Stelle Wolfgang Bülows trat Horst Titscher und Andreas Priebst spielte künftig statt Clemens Dillner den Cello-Part. Ihm „verschaffte“ der Primarius auch schon bald (1982) eine zusätzliche Aufgabe: das Ehrenamt der Kärrner-Arbeit – Organisation, Präsentation,  Programmerarbeitung u.a. – für die „Meisterwerke“ (und damit, wie die folgenden Jahrzehnte es erweisen sollten, quasi eine „Lebensstellung“).

Die „Meisterwerke“ lebten weiter. Noch hatte die Kammermusik in Dresden zahlreiche Freunde und es kam bei Konzerten auch weiterhin durchaus vor, dass sich selbst der relativ große Strehlener Gemeindesaal für das Publikumsinteresse als zu klein erwies und durch Öffnung der hinteren Trennwand um den Nachbarraum erweitert werden musste. Und das trotz der spartanisch harten Stühle!

Die 1980er Jahre wurden für die Reihe trotzdem erneut eine Zeit der Bewährung. In der bewährten Art und mit dem Engagement, die Gottfried Schmiedel als eine der geschätztesten Dresdener Persönlichkeiten dieser Zeit auswiesen, betreute er bis 1983/84 die Reihe und stimmte sein Publikum auch schon auf die nächste Saison ein, aber – er trat nicht wieder an. Krankheit erzwang seinen Rückzug aus der Öffentlichkeit. Im November 1987 ging sein Leben zu Ende. Dr. Christian Mühne (Direktor des Richard-Wagner-Museums Graupa) und Eberhard Kremtz (Hochschule für Musik Dresden) übernahmen in der Folge die Einführungsvorträge zu den Konzerten und versuchten an die Schmiedelschen Traditionen anzuknüpfen. Restlos auszufüllen war die Lücke nicht, die Gottfried Schmiedel hinterließ.

Ulbrich-Quartett mit Andreas Priebst (Violoncello), Joachim Zindler (Viola), Rudolf Ulbrich (1. Violine), Horst Titscher (2. Violine) - v.l.n.r.; Aufnahme 1981

Ulbrich-Quartett mit Andreas Priebst (Violoncello), Joachim Zindler (Viola), Rudolf Ulbrich (1. Violine), Horst Titscher (2. Violine) – v.l.n.r.; Aufnahme 1981

Das Konzert am 4. April 1986 war das Abschiedskonzert von Prof. Rudolf Ulbrich. Auf dem Programm stand Musik für zwei (!) Streichquartette: Mendelsohn-Bartholdys Streichoktett F-Dur und Louis’ Spohr Doppel-quartett d-moll. Ulbrich- und Eckoldt-Quartett waren die Ausführenden. Der damit eingeleitete Übergang in die Zukunft deutete sich allerdings schon einige Zeit vorher an, als 1984 beide Quartette in einem Konzert die Streich-Quartette Nr. 14 und 15 von Darius Milhaud aufführten. Schon 1985, im Jahr der Neueröffnung der Semperoper, hatten sich Roland Straumer (Violine), Michael Eckoldt (Violine), Joachim Zindler (Viola) und Andreas Priebst (Violoncello) zu einem neuen Quartett, den „Sächsischen Streichersolisten der Staatskapelle Dresden“ (später umgetauft in „Sächsisches Streichquartett“)  zusammengefunden. Sie übernahmen für die nächsten zehn Jahre das Ulbrich’sche Erbe. Leider hat sich der Programmzettel für das erste Konzert, das die „Streichersolisten“ nun in ihrer Funktion als quasi „hauseigenes“ Streichquartett bestritten, offenbar nicht erhalten. Die noch vorhandenen Programmzettel zeigen aber, dass die „Meisterwerke“ weiterhin mit interessanten, vielseitigen Programmen glänzten – insbesondere ein Verdienst von Andreas Priebst, dem „neuen Mann“ an ihrer „Spitze“. Um willkürlich einige Beispiele herauszugreifen:

  • Juni 1986: Brigitte Funke (Violine), Monika Rost (Gitarre), Andreas Priebst (Cello) mit Werken von A. Lotti, J. Dowland, F. Sor, Z. Kodaly, A. Corelli
  • Januar 1987: Andreas Lorenz (Oboe), Günter Klier (Fagott), Kaspar Schaefer (Cembalo), Sächsische Streichersolisten mit Werken von K. Stamitz, G. P. Telemann, M.  Haydn, G. F. Händel
  • September 1987: Winfried Apel (Klavier), Sächsische Streichersolisten mit Werken von Johan Halvorsen/G. F. Händel und Edvard Grieg
  • Februar 1988: Eva Ander (Klavier), Brigitte Funke (Violine), Andreas Priebst (Cello) mit Kammermusik aus Frankreich (C. Franck, C. Debussy, M. Ravel).

1989/90: „das Alte stürzt, es ändern sich die Zeiten …“ Und die „Meisterwerke“ – brauchten sie „neues Leben aus den Ruinen“? Hatten sie die Chance dazu? Schaut man sich die Programmzettel der Konzerte in dieser Zeit an, kann wohl – zumindest was das Künstlerische angeht – kein Verdacht auf „brauchen“ aufkommen. Winfried Apel (Klavier), Detlev Löchner (Klarinette) und die Sächsischen Streichersolisten spielen im März-Konzert 1990 Brahms (Trio op. 114) und Mozart (Quintett KV 581) und im Pfingst-Sonderkonzert des gleichen Jahres abermals dieses Mozart-Quintett und César Francks Quintett f-Moll. Noch scheint es, als ob es für die Reihe „business as usual“ geben könnte, aber die Programmzettel weisen schon darauf hin, dass man sich darauf nicht verlassen darf. Steht im März und auch im Mai 1990 noch „Kulturbund der DDR, Stadtleitung Dresden“ als Veranstalter darauf, heißt es zu Pfingsten, im Juni, nur noch schlicht „Kulturbund e. V.“. Die Reihe brauchte einen neuen „Heimathafen“, der alte war zur „Ruine“ geworden. Zunächst sah es recht hoffnungsvoll aus. Die „IG Schauspiel im Kulturbund e. V.“ nahm neben dem „Dichterwort“ auch die „Meisterwerke“ unter ihre Fittiche. In bewährter Qualität und Vielseitigkeit fanden die Konzerte statt – bis 1996, als klar wurde, dass die IG Schauspiel die „Meisterwerke“ nicht länger finanziell unterstützen konnte. Eine Konzertagentur, die danach versuchte, die weitere Organisation der Konzerte zu bewältigen, gab am Ende der Saison 1997/98 ebenfalls auf – fine?

Die „Meisterwerke“ starben nicht „in Schönheit“.  Der Appell von Andreas Priebst im Juli 1998 an die Stammhörer der Reihe, diese auch organisatorisch in die eigenen Hände zu nehmen, war erfolgreich. Ein kleiner Kreis von Enthusiasten führt sie seitdem  – nunmehr schon 16 Jahre lang –  im Rahmen des dafür gegründeten Vereins „Meisterwerke-Meisterinterpreten e. V.“ erfolgreich und im Sinne ihrer besten Traditionen weiter. Dazu gehören in erster Linie natürlich interessante, „farbenreiche“ Programme, dargeboten von Meisterinterpreten, die mit ihrem Publikum fast auf „Tuchfühlung“ agieren. Auch der Umzug von den Holzstühlen des Strehlener Gemeindesaals auf die Polster des historischen Ballsaals im Hotel „Königshof“ einige Zeit nach der Vereinsgründung hat zweifellos dem Wohlbefinden der Hörer während der Konzerte gut getan und das Seine zum Erhalt der besonderen, fast schon familiär zu nennenden Atmosphäre beigetragen.

Wollen wir einen Blick in die Glaskugel wagen und über die Zukunft der Reihe spekulieren? Goethe ist out. Das jedenfalls will eine vor einiger Zeit in einer TV-Sendung vorgestellte Studie ergeben haben, die danach fragte, was denn heute wesentliche Bildungswerte seien. Steht Goethe für das gesamte tradierte bürgerliche Bildungsgut? Das wäre kein Grund für das „Prinzip Hoffnung“ und eine realistische Erwartung, dass eine jüngere Generation von Musikenthusiasten sich dereinst der „Meisterwerke“ mit Elan annehmen könnte. Lassen wir es die Zukunft entscheiden. Die Reihe wird leben, solange eine Gemeinschaft interessierter und treuer Hörer der Kammermusik mit Liebe und Wertschätzung verbunden bleibt.

Dr. Gunter Naumann